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Weisses Robbenbaby am Strand von Heringsdorf

Sonntag. Kurz nach 14 Uhr. Ich aale mich in einem Strandkorb in Bansin in der Sonne. Beste Zeit, um mal wieder durch den Facebook-Newsfeed zu scrollen. Ich bin zwar täglich mehrere Stunden auf Facebook und Instagram unterwegs, aber meine Newsfeeds haben mich ehrlicherweise seit einer halben Ewigkeit nicht gesehen. Ich bin mehr der Poster als der Leser. Ihr wisst schon!

Jedenfalls spült es doch gleich an Stelle Nr. 2 einen Meldung der Polizei Vorpommern-Greifswald in meinen Newsfeed. Auf dem Bild ist ein weißes Etwas am Strand zu sehen. Darüber in großen Buchstaben „Gestrandetes Robbenbaby wartet auf Robbenmutter“. Dazu steht folgenden Text:

Auf der Insel Usedom in Heringsdorf ist auf Höhe des Strandaufganges 2Y ein Robbenbaby durch die Mutter abgelegt worden. Es nimmt dort eine Verschnaufspause ein. Leider traut sich die Mutter aufgrund der zahlreichen Spaziergänger nicht zurück an den Strand, um es abzuholen. Wir haben den Strand weiträumig abgesperrt und bitten Euch darum Abstand zu halten damit sich die Robbenmutter nicht gestört fühlt. Das Robbenbaby ist nicht verletzt. Dieses Verhalten ist völlig normal, deshalb seid nicht besorgt. Wir haben das ganze im Blick und sind vor Ort!

Ich frage mich kurz, welches Datum heute ist und begreife: das sind keine Fake-News. Also teile ich den Beitrag auf der Facebookseite der Kaiserbäder und bitte die Strandgänger um das Befolgen der Anweisungen der Beamten vor Ort. Aber wo ist eigentlich dieses „vor Ort“. Strandaufgang 2Y sagt mir nichts. Kurze Nachfrage bei einem Freund und die Info, dass es sich um den Strandabschnitt am Sackkanal handelt. Super, und ich bin ganz in der Nähe.

Ich schnappe mir also Hund und Rucksack und mache mich auf den Weg den Strand entlang zum Sackkanal. Etwa hundert Meter vor meinem Ziel stehen ein Polizeibeamter und ein Mitarbeiter des Ordnungsamtes und erklären mir freundlich, warum der Uferbereich hier weitläufig umgangen werden muss. Nicht weit von uns entfernt liegt das weiße Robbenbaby. Der Anblick lässt mich fragen, ob das Tier noch lebt. Ich erfahre, dass alles in Ordnung ist. Es ruht sich nur in der Sonne aus.

Noch während wir uns unterhalten, kommt ein Fahrzeug der Ahlbecker Feuerwehr aus Richtung Heringsdorf den Strand entlang gefahren. Zwei Junge Männer und der Wehrleiter steigen aus. Sie haben Watthosen dabei und die Absicht das Tier zurück in die Ostsee zu bringen. In mir rührt sich das erste Mal Unbehagen.

Das Robbenbaby lässt die Aktion über sich ergehen. Ich habe den Eindruck, es ist sehr schwach. Ich möchte aber dazu sagen, dass das ein rein subjektiver Eindruck ist und ich keinerlei Erfahrungen mit derartigen Situationen habe. Ich lebe seit über vierzig Jahren auf Usedom und habe noch nie eine Robbe hier gesehen.

Es dauert nicht lange und das Tier ist wieder in der Ostsee. Statt zu schwimmen, lässt es sich von den Wellen zurück in Richtung Land treiben, wobei der Kopf immer wieder unter Wasser verschwindet. Hier wartet jedoch eine Traube Menschen. An den Buhnen geht es nicht weiter. Das Tier schaut immer wieder zu den Buhnen hinauf, streckt den Kopf ein Stück aus dem Wasser und verschwindet wieder unter einer Welle. Irgendwann taucht es nicht mehr auf.

Die Beamten und die Männer von der Feuerwehr warten noch einen Moment. Als das Tier nicht mehr zu sehen ist, beenden sie ihren Einsatz und gehen.

Später erfahre ich, dass die Feuerwehr auf Empfehlung des Ozeaneums in Stralsund so gehandelt hat und dass eine Gruppe mit fünf oder sechs weiteren Tieren ganz in der Nähe war. Bleibt zu hoffen, dass die Tiere zueinanderfinden und mein Gefühl nur eine emphatische Reaktion auf das Verhalten des Robbenbabys war.


Die Verwendung der Bilder ist nur mit meinem schriftlichen Einverständnis gestattet! 

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