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Bücher

Hans Werner Richter – Spuren im Sand

Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten

 

Eines vorne weg: Ich finde jeder, der Literatur und Usedom liebt, sollte dieses Buch gelesen haben. Denn es fängt wie kein Zweites die Seele der Insel ein und nimmt mit in eine Zeit, die heute noch zwischen den alten Fischerhütten und den Fassaden der schönen Bädervillen schwingt.

Hans Werner Richter wurde als Initiator und graue Eminenz der Gruppe 47 bekannt. Literarische Größen wie Ingeborg Bachmann wurden hier entdeckt. Andere übersehen, wie Paul Celan. Die Namen einiger, weniger Werke aus der Feder Hans Werner Richters klingen in den Ohren: Deutschland Deine Pommern, Linus Fleck, Die Geschlagenen… Dass er Bansiner war, wissen die Wenigsten. Dabei sind seine Werke fast durchweg autobiografisch.

„Spuren im Sand“ schrieb er 1953. Er erzählt darin die Geschichte einer Jugend zwischen Kaiserzeit und Weimarer Republik. Seine Geschichte! Ungeschönt, naiv, weltfremd und auf seine Art sympathisch.

Als ich geboren wurde, machte der Kaiser noch seine Nordlandfahrten, trugen die Männer des Dorfes, in dem ich den ersten Schrei ausstieß, den Es-ist-erreicht-Schnurrbart, gab es noch die klingenden Taler und das goldene Zwanzigmarkstück. Der Ort war ein aufblühendes Seebad, und wenn der Kaiser Ende August, nicht weit davon entfernt, von seiner kaiserlichen Jacht an Land stieg (damals stieg man noch an Land), versäumte er es nie, unseren Ort zu besuchen und sich huldvoll seinen Untertanen zu zeigen. „Der Kaiser kommt!“ hieß es dann, und alles lief auf die Straße. (Hans Werner Richter in „Spuren im Sand“)

Ich konnte Usedom beim Lesen dieses Buches fühlen. Nun mag das an der Leidenschaft für meine Heimat liegen, vielleicht an der Nähe zum Ort des Geschehens und an meinen eigenen Erinnerungen, ganz sicher aber auch an der unaufgeregten Art Richters, das Leben, die Menschen und die Geschehnisse der Zeit aus dem Blickwinkel eines Jungen zu erzählen, der eben genau hier aufwächst. Obwohl sich vieles ändert – der Kaiser geht, die Sozialdemokraten kommen, Krieg, Armut, neues Leben – gibt es keine außergewöhnlichen Höhepunkte, keine emotionalen Herausforderungen für den Leser. Vielmehr gibt es ein stetes Kommen und Gehen von Menschen, von Jahreszeiten, von Gefühlen. Das Zuhause bleibt dabei der sichere Hafen.

Nicht nur in Bansin spielt dieses Buch. Auch Swinemünde, wo Richter eine Lehre in einer Buchhandlung machte, und die kleinen Nachbarn Benz, Heringsdorf und Pudagla finden Erwähnung. Herrlich sind die Erlebnisse mit den älteren Brüdern, der herbstliche Ausflug mit dem Boot zum Tanztee nach Swinemünde und die zarte Liebe zu Meta. Bei allem schwebt die nach außen mitunter kühl und dümmlich wirkende, pommersche Natur mit. Die Mutter, der Vater, die Brüder und er selbst. Und doch ist da auch eine Herzlichkeit zwischen den Zeilen, die wohl nur jemand so wunderbar fließen lassen kann, der eben genauso ist. Pommersch. Ich habe mich jeden Tag wieder auf dieses Buch gefreut. Es war ein wenig heile Welt und die Gewissheit, dass wir Menschen am Meer Stürmen auf unsere eigene Weise begegnen. Und wenn ich heute durch Bansin laufe, sehe ich manchmal den kleinen Hans Werner Richter an mir vorübergehen. Er ist auf dem Weg zum Schloonkanal, wo er sich in der Dämmerung mit Meta treffen wird.

Lange war das Buch nur noch mit viel Glück in deutschen Antiquariaten zu finden. Doch der Hinstorff aus Rostock hat es 2015 neu aufgelegt. Es ist als Taschenbuch, aber auch als eBook erhältlich.

In den Usedomer Buchhandlungen bekommt Ihr dieses Buch, auch im Hans Werner Richter-Haus in Bansin.

Für Eure Buchhandlung zuhause hier die Daten:

Titel: Spuren im Sand
Autor: Hans Werner Richter
Verlag: Hinstorff
ISBN: 9783356019919

Für den Online-Versand und das eBook klickt Ihr hier: KLICK

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