Buchtipp: Uwe Kolbe – Mein Usedom

Buchtipp: Uwe Kolbe – Mein Usedom

Buchtipp: Uwe Kolbe – Mein Usedom

Vielleicht ist es nicht das beste Buch, um mit Rezensionen von Usedom-Büchern zu beginnen. Aber es ist mit Sicherheit eines der Eindrücklichsten, die ich bisher gelesen habe. Und: Es wird mit jedem Lesen besser.

2014 erschien Uwe Kolbes „Mein Usedom“. Das Buch wirkt von außen wie ein literarischer Reiseführer, verbirgt jedoch im Inneren eine vielschichtige, teils verworrene Auseinandersetzung mit der Vergangenheit des Autors und mit der der Insel. Blaues Meer, Möwengeschrei und Urlaubsidylle sucht man hier vergebens. Vielmehr eindrücklich, teils sogar düster beschreibt Kolbe seine Begegnungen mit dem Meer. Schon nach ein paar Seiten lässt er seiner Leidenschaft freien Lauf und bewegt das literaturbegeisterte Herz zunehmend:

„Auf dem Weg musste ich innerlich das Wir verlassen oder, anders gesagt, mich vom Kollektiv verabschiedet haben. Es gab etwas, was ich nicht teilen konnte: das Herzklopfen, wenn der Weg absehbar Richtung Meer führte. Wenn es wirklich ans Meer ging. Wenn hinter Wiesen, Weiden, Feld und Wald, hinter Hütten, Häusern, Ferienheimen und Promenaden das Meer mehr als nur zu vermuten war – ich spreche von der Ostsee -, wenn es dazu kam, wenn die Möglichkeit, das Meer zu erreichen, sich zur Wahrscheinlichkeit verdichtete und schließlich, auf den letzten Metern, zum Beispiel auf der meerabgewandten Seite einer flachen, von Kiefern gesäumten Düne wie in Trassenheide, unausweichlich wurde. Wenn das Erreichen des Meeres, das unmittelbare Anschauen des Meeres gleich, sofort, jetzt stattfände, die Konfrontation mit dem Meer nicht mehr nur zu ahnen, zu ersehen, antizipiert zu fühlen war, sondern wenn dieses kalkulierbare und doch immer neue, große Geschehen, auf nichts weiter zu treffen als auf das Meer, genauer: auf die Ostsee, sie zu erreichen, bei ihr anzukommen, hier und jetzt, geschah, in diesem Nu.“

Diese Begegnung macht der Autor als 14-Jähriger auf einer Klassenfahrt. Eine weitere bewegt ihn später zum ersten Gedicht. Und immer ist da Vineta. Wie ein unsichtbares Band führt die Sage der versunkenen Stadt durch die Seiten und wird zur Metapher der eigene Vergangenheit, der Kindheit, des Lebens in der DDR, das wie Vineta dem Untergang geweiht war und doch immer noch in den Köpfen geistert. Und wie die Stadt von einem Jüngling gerettet werden kann und so ihre Geschichte nie einen Abchluss findet, hält Kolbe fest an dem, was ihn einst prägte.

Das Buch ist eine Reise zu dieser Erkenntnis, literarisch spannend umgesetzt in den Streitgesprächen zwischen dem Autor und einem Wiedergänger einer der umstrittensten Personen Usedoms – Wernher von Braun. Schonungslos wird dabei das dunkelste Kapitel der Inselgeschichte offengelegt. Die Leitung der Heeresversuchsanstalt und die Entwicklung der Aggregats 4 (später V2 – Vergeltungswaffe 2 genannt) in Peenemünde.

Doch neben Wernher von Braun finden auch Otto Niemeyer-Holstein und ganz besonders Lyonel Feininger Erwähnung in Kolbes Werk. Es bewegt sich in einer Tiefe, die man dem Titel leider nicht ansieht und begeistert mit einer schnörkellosen, manchmal fast kurzatmigen Sprache. Ich empfehle dieses Buch allen, die einen Blick in die Vergangenheit Kolbes und hinter Usedoms Vorhang aus Strandleben und Natur werfen wollen. Wenn Sie zudem eine Leidenschaft für wirklich gute Literatur haben, gehen Sie in Ihren Buchladen und kaufen Sie dieses Buch! Wer es lieber Online mag, klicke hier.

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